HMS Silenzio Base - Plattform

Beschreibung

Wir danken Stefan Gawlick - hifi & records für die exzellente, auszugsweise Beschreibung.

Wäre alles mit Messungen erfassbar, müsste ich gar nichts mehr ausprobieren und erhören. Ich würde kurz Datenblätter vergleichen und dann eine Kaufentscheidung fällen. Doch ich bin mir sicher, dass es einige (noch) nicht messbare Parameter gibt, die den Klang einer Anlage mitbeeinflussen. Oder existiert Radioaktivität erst, seit wir gelernt haben, sie zu dokumentieren?

Der Boden ist nun – denke ich – bereitet und wir können uns unbeschwert einem Zubehörartikel zur Geräteaufstellung widmen, der HMS Silenzio Base.
Zunächst einmal sieht sie für eine klassische Gerätebasis recht ungewöhnlich aus: Sie ist flach, nicht besonders schwer und obendrein mit künstlichem Wildleder bezogen. Also keine der üblichen Materialschlachten, bei denen man mit schierer Masse den Resonanzproblemen Herr zu werden versucht.

Im ersten Moment verwundert mich das schon, da ich aber Hans Strassner, den Kopf von HMS kenne, vermute ich, dass er einmal mehr auf angewandte Physik setzt und daher diese Basis nicht einfach nur »dünn«, sondern aus gutem Grund »genau so dünn« ist.

Wie üblich hält man bei HMS mit seinem Wissen nicht hinterm Berg. Eine Kombination aus unterschiedlich dichten Polymerschäumen soll im Innern zu einer besonders breitbandigen Schwingungsdämpfung führen. Vibrationen werden von den Schäumen durch Verformung aufgefangen.

Beim Entspannen des Materials zurück zur Ausgangsdichte wird die aufgenommene Energie in Wärme umgewandelt und somit für die Audio-Elektronik unschädlich gemacht. Faszinierend ist die Flexibilität dieser Lösung, sollen doch Komponenten zwischen zwei und vierzig Kilogramm Masse wirkungsvoll bedämpft werden können.



Die mechanische Seite ist bei der Silenzio Base allerdings nur die halbe Miete, denn wie immer geht es Hans Strassner auch in diesem Fall um die Entstörung der HiFi-Anlage. Übereinander stehende und mittels Kabel verbundene Komponenten bilden, so der HMS-Chef, letztlich einen Plattenkondensator, der über die als Spulen wirkenden Kabel einen Schwingkreis erzeugen kann.

Dieser Effekt nimmt zu, wenn die Kabel gut geschirmt sind und die Geräte in metallarmen Umgebungen stehen. Laut Strassner schwingt dieser selbst erzeugte Elektro-Smog auch in den hörbaren Bereich eines arbeitenden Verstärkers hinein und kann hier – je nach Anlagenkonfiguration – zu einem grellen oder kristallinen Klangbild führen.

Hier greift HMS ein, indem in der Silenzio Base auch eine elektromagnetische Schirmung eingesetzt wird: Eine geerdete Kupferplatte dämpft elektrische Felder, während magnetisches Ungemach von einer Mu-Metall-Platte bekämpft wird. Eine anscheinend gründliche und nicht eben preisgünstige Lösung, die den Preis der Basis freundlicher erscheinen lässt. So wird den elektromagnetischen Feldern zwischen den Geräten gleichsam ein Riegel vorgeschoben.

Als großer Gewinner stellte sich die Silenzio Base auf den von mir ausprobierten Holzracks dar. Schon als reine Unterlage ohne Massebezug verhalf sie dem Klangbild zu einem Mehr an Durchzeichnung und drängte auch klangliche Signaturen einzelner Komponenten spürbar in den Hintergrund.

Die Lautsprecher verschwanden zunehmend als wahrnehmbare Schallquelle, die Musik stand im Vordergrund. Das Maß der klanglichen Auswirkung kann von einer leichten Verbesserung bis zu einem echten Upgrade gehen: Ein kleiner, mittels einer Metallscheibe ordentlich beschwerter Lehmann Audio Black Cube spielte auf der Silenzio Base locker eine ganze Klasse höher.

Die in diesem Fall hörbaren Effekte gingen über die schon beschriebenen – und hier ebenfalls vorhandenen – Zugewinne in Sachen Klarheit und Durchzeichnung weit hinaus. Der günstige Phonopre tönte nun auch »stämmiger« und erwachsener, stellte große Orchester mit einer faszinierenden Selbstverständlichkeit in den Raum, die ihm vorher schlicht gefehlt hatte.
Das gesamte Bühnengeschehen einer »Elektra« (Solti, London) wurde nun feiner aufgedröselt, die räumliche Einordnung der einzelnen Schallereignisse gelang noch logischer und stimmiger. Ich bleibe so lange bei dieser einen Beschreibung, weil dies die mit Abstand größte Verbesserung war, mauserte sich der kleine Lehmann doch auf dieser Basis zum veritablen Favoritenschreck.

Ich vollziehe nun noch den letzten Schritt und erde die Basis. Je nach Aufstellung kann das gerade unter einem Phonopre die entscheidende Verbesserung zeitigen. Steht der Pre alleine und ohne Störenfriede in seiner unmittelbaren Umgebung, höre ich fast nichts. Wenn aber, wie in meiner Anlage, im Regal direkt unter dem Lehmann zwei kleinere Netzteile stehen, dann ist der Schritt großartig. Nun kommt noch der viel zitierte schwarze Hintergrund in einem Maße hinzu, wie ich ihn einem Phonovorverstärker unter 1.000 Euro nie und nimmer zugetraut hätte.

TEST Fazit: hifi- & records Heft 3 / 2011
Ja, die HMS Silenzio Base möchte ich wärmstens empfehlen. Und Ihnen gleichzeitig den Rat mit auf den Weg geben, sie nicht als pauschales Allheilmittel, sondern sehr gezielt einzusetzen. Denn wenn die Umgebung stimmt, ermöglicht es die Silenzio Base guten Komponenten, ihr volles Potential zu entfalten, sogar über sich hinauszuwachsen. Unter meinem Phonopre beispielsweise möchte ich sie nicht mehr missen, lässt sie doch gerade an dieser Stelle in meiner Anlage den Vorhang zwischen den Musikern und mir mit verblüffender Deutlichkeit fallen und jeden Ton vor einem unglaublich ruhigen Hintergrund entstehen. Daher ist es keine Frage, dass die HMS Silenzio Base für mich ein echtes Highlight darstellt. Stefan Gawlick


Konstruktion: Mechanische und elektrische Entkopplungsplatte

Verbindungen: Erdungskabel zum Anschluss an eine Steckdose liegt bei, außerdem ein Verbindungskabel, um eine weitere Basis »in Reihe« zu schalten

Ausführung: Metallrahmen, Oberflächen mit künstlichem Veloursleder bezogen

Abmessungen (B x H x T): 46 x 1,5 x 38 cm

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